Headrotation


Gerade erhielt ich von einem Studenten eine Vorabversion einer Seminararbeit zur Korrektur bzw. um ein Feedback über den aktuellen Stand zu geben. Das ließ mich mal wieder an eine ehemalige Studierende denken, die mich dabei in eine Endlosschleife schickte. Eine der Mäuschen-Fraktion, aber eigentlich recht nett. Bevor sie bei uns aufschlug, hatte sie schon ein Wirtschaftsinformatikstudium erfolgreich absolviert. Man sollte also denken, sie könne zumindest grundlegend mit Rechnern umgehen. Und deutsche Schrift beherrschen. Sollte man denken. Tja. Hach, wie naiv ich doch war…

Ich mein, über Seitenumbrüche durch Leerzeilen, Leerzeichen als Tabulatorersatz und ähnliches jammere ich zwar immer noch, aber so langsam finde ich mich damit ab. Aber

OK, fangen wir mal am richtigen Ende an. Diese Dame schickte mir eine Vorversion, Release 35b, einer Seminararbeit. Die Grammatik und Rechtschreibung erinnerte eher an Dadaismus oder experimentelle Literatur, der Inhalt, na ja, nicht weltbewegend, aber geht so. Und gerade wenn ein Text mehr Fehler als richtige Wörter und vollständige Sätze enthält, fällt es mir leichter, diese Wortruinen auf gutem, altem Papier zu korrigieren. Ja, bin halt kein Digital Native, manchmal brauch ich die Haptik von totem Baum. In der Regel bekommen die Studis diesen Stapel Papier persönlich zurück. Da diese Dame aber länger nicht da war, bat sie mich,  die doch gut roten Seiten (nein, ich habe nicht alles korrigiert, nur das allerschlimmste) einzuscannen und per Mail zu schicken. Kein Problem. Das Multifunktionsteil kann auch direkt vom Gerät Mails verschicken. Also Scan und direkt weg.

Eine Stunde später ein entsetzter Anruf:

Studentin: „Ich kann das pdf nicht lesen!

Ich: „Warum? Datei korrupt?

Studentin: „Nein, es geht schon auf, ich kann es nur nicht lesen.

Ich: „Oh, Scanqualität zu schlecht, oder liegt es an meiner Sauklaue?

Studentin: „Nein, Ihre Schrift kann ich schon lesen, aber das steht ja alles auf dem Kopf! Wissen Sie, ich habe ja kein Laptop, sondern einen Desktop und noch einen Röhrenmonitor. Den kann ich nicht so einfach herumdrehen…

Au, au, au, diese Schmerzen, aaahhhh…

Ja, es mag ja sein, dass ich die Seiten versehentlich auf dem Kopf stehend eingescannt habe, aber alle mir bekannten pdf-Reader können die Seiten drehen. Notfalls wäre auch „Ausdrucken“ noch eine Option gewesen. Und es ist ja nicht so, dass sie noch nie mit PCs gearbeitet hat. Dafür sind andere zuständig.

Und nein, ich habe es nicht nochmal eingescannt. Nachdem ich meine entglittenen Gesichtszüge wieder unter Kontrolle hatte, habe ich ihr erklärt, wie sie die Seiten in ihrem pdf-Reader gedreht kriegt. m(

Und so was hat schon ein Diplom in Wirtschaftsinformatik! Ich fass es nicht!

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2 Gedanken zu „Headrotation

  1. Darwin funktioniert nicht überall. Sowas gibt’s wohl an jedem Institut, und komischerweise überleben die meistens irgendwie ganz in den Läden, und meistens finden sie dann auch sogar einen gutbezahlten Job, im Gegensatz zu …

  2. Pingback: Studenten-Typ: Studentis Eternitatis | Aussicht mit Einsichten

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