Studienpläne, die 25te…


Unser Lehrstuhl wurde ja unter anderem dafür geschaffen, eine Lücke im Studienangebot zu schließen. Zwar gab es ein Studienangebot mit diesem Namen, das aber … sagen wir mal von Fachleuten anderer Disziplinen nach bestem Wissen und Gewissen gemacht wurde. Eine der wichtigsten Aufgaben ist also, dieses Studienangebot zu überarbeiten.

Und da ja republikweit Bologna epidemisch wütete, gibt es natürlich auch bei uns  Studiengänge für Bachelor und Master. Nicht, dass die Studienpläne für unser Fach sinnvoll wären, aber immerhin sind sie akkredidiert!

Schon im Herbst war uns klar, dass so der Studienplan nur sehr schwer machbar ist – wobei man ja dank Bologna auch noch auf Überschneidungsfreiheit und Studierbarkeit achten muss – die vielen Pflichtveranstaltungen müssen ja in 6 Semestern belegbar sein. Weitere Randbedingung:

Nicht jeder Lehrstuhl bietet jede Veranstaltung jedes Semester an. Gerade die „großen“ (Grundlagen-) Vorlesungen, die von Studis unterschiedlichster Studienfächer gehört werden (müssen), gibt es meistens im Jahresturnus – also immer im Wintersemester oder immer im Sommersemester (Wir erinnern uns – Bachelor: 6 Semester). Daher kann man nicht alles beliebig schieben, außerdem gibt ja auch noch inhaltliche Voraussetzungen – es ist halt doof, die Aufbauvorlesung vor der Grundlagenvorlesung zu haben, auch wenn das der einzige Weg wäre, alles in den Plan zu packen.

Dann haben die Uni, Ministerien und Akkreditierungsstellen noch weitere Vorgaben:

  • Nicht mehr als 30 ECTS-Punkte/Leistungspunkte pro Semester, im letzten Semester wegen der Bachelorarbeit nur maximal die Hälfte (will die Uni). Jetzt gibt es verschiedene Studiengänge (so auch unseren), wo man mehrere Fächer mehr oder weniger studiert,  das hat man zum Beispiel bei sog. „Zweifach-Bachelor“ oder auch die Lehrämtler aller Sparten. Der Studiengang, für den wir hinsichtlich der Koordination verantwortlich sind und zu dem unser eigenes Fach gehört, fällt da auch drunter. Damit ist dann vorgegeben, dass jedes Fach jedes Semester genau die Hälfte von den 30 Punkten verplanen darf. Genau die Hälfte, nicht mehr und nicht weniger.
  • Es gibt ja nicht mehr diese „Standalone-Veranstaltungen“, sondern man studiert in Modulen, die auch aus mehreren Teilen bestehen können, zum Beispiel einer Vorlesung und einem Seminar oder Übung. ABER: Ein Modul darf nicht länger als zwei Semester gehen, und es darf nur eine Prüfung geben, auch wenn man mehrere Veranstaltungen in einem Modul gebündelt hat. Nicht zu vergessen – ein Modul muss mindestens 5 Leistungspunkte haben (will Ministerium und Akkreditierung).
  • Ach ja, dass die maximale Leistungspunktzahl pro Semester kein ganzahliges Vielfaches der Mindestmodulgröße ist, sollte wohl klar sein.
  • Die Akkreditierungsstelle macht im Übrigen gerne auch inhaltliche Auflagen, dass also im Musterstudienplan noch Fach X zu berücksichtigen sei, und Modul Y wäre ja zu klein, so was geht ja gar nicht.

Sobald wir *grundlegend* an den Studienplan fassen, steht sofort die Akkreditierungsstelle auf der Matte – holen wir uns von denen keine Genehmigung, ist der Studiengang so nicht anerkannt. Also hatten wir vor, dies zu vermeiden.

So. Vor Wochen schon (und ich meine eine zweistellige Anzahl von Wochen) hatten wir begonnen, diesen Studienplan unter Maßgabe der uns bekannten Parameter zu planen, zu schieben und zu  gestalten.

Nur um festzustellen – es klemmt hinten und vorne.

Die anderen Lehrstühle unseres Bereichs bieten Module ab 8 Leistungspunkte – damit ist mit eineinhalb Modulen teilweise das Semester geblockt, aber man kann ja nicht eine halbe Vorlesung in ein Semester packen. Dummerweise gibt es auch von anderen Bereichen Module, die wir importieren müssen, die dann 5,5 oder 7 oder 9 Leistungspunkte haben. Unsere eigenen Veranstaltungen – die aber Vorkenntnisse erfordern – können wir sinnvoll erst ab dem vierten Semester anbieten. Aber gerade die Sommersemester sind eh schon voll. Bleibt also das Vorziehen, was für uns ungünstig ist – oder das Verschieben nach hinten, was aus studienorganisatorischen Gründen noch schlechter für die Studis ist.

So oder so können wir in keinem Semester mehr als 3 Leistungspunkte von uns unterbringen. Zum Verständnis: 3 Leistungspunkte sind zum Beispiel eine Vorlesung mit 2 Stunden pro Woche oder eine Übung gleicher Größe. Wir wollen aber eigentlich immer Module aus Vorlesung und paralleler Übung, was zusammen 6 Leistungspunkte ergibt.

Jetzt kriegen wir das nicht mal in zwei Semestern hintereinander hin, jeweils 3 LP-Veranstaltungen zu planen, weil wir sonst wieder die 15-Punkte-Hürde reißen. Trennen wir die Veranstaltungen aber (z. B. im 4. und 6. Semester) – können wir die eigentlich eh zusammengehörigen Veranstaltungen nicht mehr in ein Modul packen (Abschluss in zwei Semestern). Machen wir zwei Module, reißen wir die „mindestens 5 Leistungspunkte“-Hürde. So oder so – es klappt nicht.

Jetzt kam von der Rechtsabteilung der grandiose Vorschlag „…dann verschieben Sie doch die Grundvorlesung Z vom Winter auf den Sommer!„. Super, da freuen sich aber die anderen 500 Studenten von geschlätzen 10 Studienrichtungen, wenn wegen unseren paar Leuten der Vorlesungsturnus verschoben würde. Kommentar meines Chefs: „Das wäre in der nächsten Sitzung der Professoren der Schenkelklopfer schlechthin, würde ich das vorschlagen!

Natürlich hatte nicht nur die Rechtsabteilung Bauchschmerzen, sondern auch die Kollegen, die diesen Studienplan ursprünglich „verbrochen“ hatten: „Aber wenn X dann nach hinten kommt, dann haben die R doch vergessen, bis die X hören! So hatten sie es gleichzeitig, und konnten Bezüge herstellen!“ (Super! Zwei super-komplexe Sachen, die auch noch konkurrierende Konzepte erzählen gleichzeitig im ersten Semester! Ganz großes Kino!) „Wieso lassen Sie T denn wegfallen, also ich finde, das ist schon essentiell!“ (Ja, im Master gerne, aber nicht bei einem Mehrfach-Studiengang im Bachelor!) usw.

Inzwischen sind wir in der 8.(!) Runde der Änderungen. Da unsere Veranstaltungen ja nur für unseren Studiengang sind, sind die natürlich die Manövriermasse – was aber dazu führt, dass wir vermutlich unmögliche Lehrveranstaltungsformate für uns selbst kreieren müssen, um die rechtlichen Rahmenvorgaben einzuhalten.

Wir haben jetzt mehrere Möglichkeiten:

  • Mit unseren kleinen 3LP-Modulen „mit dem Kopf durch die Wand“, das heißt also detaillierten Sonderantrag bei der Akkreditierungsstelle stellen (mit umfassender Begründung), warum das nur so und nicht anders geht. Ausgang: ungewiss, eher vermutlich ablehnend. Dauer: In Jahren zu bemessen
  • Äpfel mit Birnen in ein Modul packen, das ist dann, als würde man in der Schule Deutsch und Sport in ein Fach „Sprache und Bewegung“ packen, damit der Form genüge getan wird. Als Prüfung werden dann Gedichte am Barren hängend rezitiert.
  • Wir bauen für uns ein Modul, das in den zwei benachbarten Semestern ist, wo es eigentlich fachlich nie hinpasst, aber dafür muss der Studiengang nicht reakkredidiert werden…

Egal wie – es ist doof… 😦

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9 Gedanken zu „Studienpläne, die 25te…

  1. Da können die Studenten ja echt froh sein, dass es einfacher ist, das Studium zu absolvieren als Studienpläne zu gestalten…

    Pro Semester nicht mehr als 30 Kreditpunkte? In meiner Grabbelkiste sehe ich gerade meine Zeugnisse. Bachelorabschluss: 195 KP, Masterabschluss: 96…

    • Na ja, rechne doch mal:
      Bachelor: 6 * 30 = 180 LP
      Master: 4 * 30 = 120 LP
      Ergibt auch ungefähr das gleiche, das du hast. Es gibt bei uns (aber da lass ich mich gerne verbessern, falls das überholt sein sollte) auch Unterschiede zwischen Uni und FH, letztere hatten zumindest eine Zeit lang immer 150LP für den Bachelor.

      • Ich rede da von meiner Uni. *hüpf*

        Unsere Masterstudiengänge haben 90 KP (mindestens 30 KP für Vorlesungen, mindestens 30 KP für die Masterarbeit). Die Bachelorstudiengänge haben immer 180 KP.

  2. Pingback: Update: Sekretärin, Studienpläne … | Aussicht mit Einsichten

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