Einmal nur mit Profis, Teil 2

So, die Skypekonferenz ist rum, gestern schon. Chefs Schreibtisch hat neue Bissspuren. Seine und meine.

Management Summary: *ARGH*

Warum wir nicht mit der aktuellen Version gearbeitet haben, seine war doch die Vers6.5_0411_1800_EK (1), wir hätten aber mit Vers6.5_0411_1615_MC (2) gearbeitet?

Ja.

Warum?

Weil wir die nicht haben, vielleicht? Was können wir dafür, wenn du das an deinen niegelnagelneuen Mitarbeiter schickst, aber dem nicht konkret sagst, was er damit tun soll?
Und was soll das, du siehst die Überarbeitungen nicht? He, da oben kann man Kommentare, Änderungsverfolgung und vieles mehr anschalten! Toll, nicht? Und man sieht auch, wer was geändert hat! Medienkompetenz!

Der neue Abschnitt ist aber doof, ich mag meine Schwurbelsätze so!

Ach, der neue Abschnitt gefällt dir nicht? Na gut, dann fügen wir deine Wortruine … trotzdem nicht wieder ein. Können wir uns auf eine dritte Version einigen?
Ach, Herr Professor, Sie sind gerade auf Urlaub, auf den Malediven? Schön aber. Ja, natürlich verstehen wir, dass Sie jetzt erst zu Mittag essen müssen. Und ja, ist wirklich doof für so einen kleinen WissMA, dass der da im Büro sitzen muss, hahaha. [Kein Witz!]

Hm, na gut, dann schicken wir unsere Sachen bis heute Abend zu ihrem Mitarbeiter. Feierabend ist eh überbewertet. Ach, macht doch nix, wenn es wieder 20:00 Uhr wird, wir sind erst seit acht heute Morgen da.

Langer Rede kurzer Sinn:

  • Im Endeffekt hat der Antrag jetzt mehr Anteile von uns als von ihm
  • Wir haben alles mehrfach geschrieben, kontrolliert, ausgebessert – es ist ziemlich lästig, wenn man etwas ändert (Inhalt, aber auch Format oder Typos), dem anderen schickt, damit der weiter dran schreibt – man aber hinterher merkt, dass derjenige wohl auf seiner alten Version weitergearbeitet hat und deine Änderungen ignoriert hat – man legt also beides nebeneinander, bessert händisch wieder alles aus… Repeat while true.
    Das kostet einfach unnötig Zeit und Nerven.
  • Es ist keine gute Idee, Anträge, bei denen mindestens 5 Parteien quer durch die Republik dran schreiben, weniger als eine Woche vorher zu beginnen.
  • Das nächste Mal – oder auch im Fall, dass wir das Geld kriegen sollten – werden wir auf ein vernünftiges Versionskontrollsystem bestehen…

Na ja, in jedem Fall ist der Antrag weg! Aus dem Haus! Geschafft!

Und – einen zweiten, kleinen für inneruniversitäre Mittel haben wir gleich mit auf den Weg gebracht, den haben wir heute so nebenbei geschrieben, wir waren so im Flow…  🙂

(1) Dateiversion 6.5 vom 4.11. um 18:00 Uhr von Ernst Kommtnichtindiepötte
(2) Dateiversion immer noch 6.5 vom 4.11., aber von 16:15, geändert von Mein Chef

Medienkompetenz von Profs

Lieber Professor von-Ganzweither,

natürlich layoute ich das Poster für das Treffen nächstes Jahr. Macht mir echt Spaß so was.

Aber:

  • Aus daumennagelgroßen Bildern mit 60 dpi kann ich keinen vernünftigen Posterheader in A1 machen.
  • Auch wäre es toll gewesen, mir die Bilder, Logos und Grafiken nicht nur in ein Word-Dokument eingebunden zu geben. Beschnitten und herunterskaliert.
  • Eine andere Antwort als „habe ich nicht anders…“ wäre auch hilfreich gewesen, dann hätte ich mir nicht alle Logos der einzelnen Institutionen einzeln auf deren Webseiten zusammensuchen müssen.
  • Collagen aus mehreren Bildern sind fein, wenn sie einerseits eine passende Auflösung haben (s.o.), andererseits so aneinander liegen, dass sie keine Lücken und flatternde Ränder haben.
  • Gut, dass es sich im Wesentlichen um Wikipedia-Bilder handelte. Um die Thumbnails, von der Größe her. Aber so kriegte ich sie wenigstens nochmal in höherer Auflösung. Und konnte die, deren Verwendung rechtlich nicht abgedeckt war, noch still und heimlich ersetzen.

Nachdem ich damit mein Wochenende verbracht habe, wäre jetzt – ja, genau jetzt! – eine Entschuldigung für das tolle Material- und Informationsmanagement fällig.

Und wehe – irgend jemanden gefällt mein Design nicht!

*grummel*

Da fällt mir wieder nur ein:

Einmal nur mit Profis arbeiten!

Einmal nur mit Profis arbeiten …

Manchmal möchte man alle erschlagen. Wahlweise teeren und federn. Oder alles gleichzeitig.

Und langsam wundere ich mich nicht mehr, warum die Studis nicht in die Pötte kommen, wenn es die Profs auch nicht auf die Reihe kriegen!

Kann man merken, dass ich angesäuert bin? Echt jetzt? Wow.

Aber fangen wir mal langsam an. Der Gral, hinter dem an einer Uni alle her sind, heißt „Drittmittel“. Der Marktwert eines Professors und seiner Mitarbeiter bemisst sich heute leider hauptsächlich darin, wie viele Drittmittel er in die Uni geholt hat. Und inzwischen haben auch viele Unis knallharte Vorgaben in die Arbeitsverträge der Professoren geschrieben – schaffen sie die geforderten Summen nicht, gibt es keine Zulagen etc., es geht also sehr schnell an die privaten Geldbeutel der Profs. So auch bei meinem Chef.

Außerdem sind die Unis inzwischen recht knausrig mit Mitarbeiterstellen. Weitere Mitarbeiter sind meist nur durch Drittmittel zu finanzieren. Dummerweise für die Lehre müssen Drittmittelstelleninhaberinnen und -Haber 😉 keine Lehre machen. Blöd für alle, dass auch dreißig Drittmittelstellen die fehlenden Lehrdeputate bzw. Mitarbeiter nicht wettmachen können…

Aber zurück zum Thema. Auch wir wollen Drittmittel (meine Haushaltsstelle darf ja auch nicht auf Dauer von mir besetzt werden – der Wechsel auf eine Drittmittelstelle aber ist möglich… also alles gaaanz selbstlos). Und dafür muss man sich an Ausschreibungen beteiligen, in der Regel zusammen mit anderen Projektpartnern.

Prof. Kommtnichtindiepötte der Uni nebenan, der  einen uns verwandten Lehrstuhl besitzt, hatte Chef im Sommer den Vorschlag gemacht, sich doch gemeinsam an der EU-Mittel-Ausschreibung „Much Money“ zu beteiligen, zusammen mit noch einem Industriepartner. Das Thema ist spannend (und fällt genau in meinen Forschungsbereich, so dass wir da schon Vorarbeiten liefern können), der Prof. ist sehr gut in seinem Fach, der Industriepartner auch – eigentlich alles schick.

Prof. Kommtnichtindiepötte nach dem Vorgespräch: „Ich mach die Anträge fertig, dann müsst ihr nur euren Teil noch ergänzen.“

Wie gesagt – das war im Sommer.

Seitdem Todesstille an der Projektfront. Nachdem auch letzte Woche noch nichts da war, nahm Chef mal Kontakt auf:

Prof. Kommtnichtindiepötte: „Oh, das tut mir Leid, ich war ja unterwegs auf dieser Konferenz in Timbuktu, danach war auch noch Semesterbeginn, so viel zu tun! Aber bis zum Wochenende kriegen Sie es, Herr Kollege!“ [Anmerkung: so was wie Semesterbeginn kommt aber auch immer überraschend! Wer kann das denn ahnen! Fast wie Weihnachten, das überfällt einen ja auch jedes Jahr so hinterrücks…]

Na ja – heute morgen bekamen wir dann von ihm die offizielle Anleitung über 29 Seiten, wie denn der Antrag auszufüllen sei, außerdem seine Projektantragsskizze, in die wir ja „nur ein paar Sachen ergänzen“ müssen.

Leider fanden wir, dass es damit nicht getan sei (hm, so sehen die studentischen Arbeiten aus, wenn sie die kurz vor der Abgabe schnell zusammenschustern. War das die Sonntag-Nachmittag-Arbeit?). Viele Worthülsen, Sätze, die über eine halbe Seite gehen (versucht das mal vorzulesen, ohne dabei Luft zu holen! Das grenzt an Mord!), und nach zwei Seiten war meine Bingo-Karte voll.

Und weil es dann mit den Änderungen ins Detail ging, wollten wir ihn kontaktieren, wie wir weitermachen wollen – aus unserer Sicht wäre ein „alles neu, macht der … November“ einfacher gewesen.

Sekretöse: „Prof. Kommtnichtindiepötte ist erst morgen wieder im Büro…“

Und war auch sonst nicht zu erreichen. Also wieder hinsetzen und zusammenstellen, was  unserer Meinung in den Antrag gehört, was nicht, sowie Inhalte präzisieren. Denn die Inhalte, so wie sie im Antrag standen, hätten für zwei solche Projekte gereicht. Locker. Also einkürzen und straffen – und zwar auf den Fokus der Ausschreibung…

Zwischendrin hatten mal Chef, dann ich Lehrveranstaltung. Das heißt, wir sprechen über einen Tag Arbeit an einer Textruine, die jetzt eine kommentierte Ruine ist.

Inzwischen (gegen 20 Uhr) SMS vom Chef: morgen um 10 nach Chefs Vorlesung Skype-Sitzung mit allen Partnern.

Denn: Die 10 Antrag Seiten sollen ja morgen fertig werden. Inklusive dem, was der Industriepartner noch ergänzen muss.

Warum die Eile? Nuuuun, dieser Drittmittelantrag muss spätestens am 7.11.(!) per Snailmail beim Ausschreibenden sein – per Post wegen der Original-Unterschriften. Aller drei Projektbeteiligter.

Ich seh schon am Mittwoch einen Kurierdienst von Uni 1 zu Uni 2 zu Industriepartner wetzen, sich alle Unterschriften abholen – und hinterher durch die Republik jagen, um den Antrag persönlich abzugeben, weil es per Post nicht mehr klappen würde.

Suuuuuper. Ich arbeite zwar auch oft Just-in-Time, aber das? Einmal nur mit Profis … Wait … Shit.