Einmal nur mit Profis arbeiten …


Manchmal möchte man alle erschlagen. Wahlweise teeren und federn. Oder alles gleichzeitig.

Und langsam wundere ich mich nicht mehr, warum die Studis nicht in die Pötte kommen, wenn es die Profs auch nicht auf die Reihe kriegen!

Kann man merken, dass ich angesäuert bin? Echt jetzt? Wow.

Aber fangen wir mal langsam an. Der Gral, hinter dem an einer Uni alle her sind, heißt „Drittmittel“. Der Marktwert eines Professors und seiner Mitarbeiter bemisst sich heute leider hauptsächlich darin, wie viele Drittmittel er in die Uni geholt hat. Und inzwischen haben auch viele Unis knallharte Vorgaben in die Arbeitsverträge der Professoren geschrieben – schaffen sie die geforderten Summen nicht, gibt es keine Zulagen etc., es geht also sehr schnell an die privaten Geldbeutel der Profs. So auch bei meinem Chef.

Außerdem sind die Unis inzwischen recht knausrig mit Mitarbeiterstellen. Weitere Mitarbeiter sind meist nur durch Drittmittel zu finanzieren. Dummerweise für die Lehre müssen Drittmittelstelleninhaberinnen und -Haber 😉 keine Lehre machen. Blöd für alle, dass auch dreißig Drittmittelstellen die fehlenden Lehrdeputate bzw. Mitarbeiter nicht wettmachen können…

Aber zurück zum Thema. Auch wir wollen Drittmittel (meine Haushaltsstelle darf ja auch nicht auf Dauer von mir besetzt werden – der Wechsel auf eine Drittmittelstelle aber ist möglich… also alles gaaanz selbstlos). Und dafür muss man sich an Ausschreibungen beteiligen, in der Regel zusammen mit anderen Projektpartnern.

Prof. Kommtnichtindiepötte der Uni nebenan, der  einen uns verwandten Lehrstuhl besitzt, hatte Chef im Sommer den Vorschlag gemacht, sich doch gemeinsam an der EU-Mittel-Ausschreibung „Much Money“ zu beteiligen, zusammen mit noch einem Industriepartner. Das Thema ist spannend (und fällt genau in meinen Forschungsbereich, so dass wir da schon Vorarbeiten liefern können), der Prof. ist sehr gut in seinem Fach, der Industriepartner auch – eigentlich alles schick.

Prof. Kommtnichtindiepötte nach dem Vorgespräch: „Ich mach die Anträge fertig, dann müsst ihr nur euren Teil noch ergänzen.“

Wie gesagt – das war im Sommer.

Seitdem Todesstille an der Projektfront. Nachdem auch letzte Woche noch nichts da war, nahm Chef mal Kontakt auf:

Prof. Kommtnichtindiepötte: „Oh, das tut mir Leid, ich war ja unterwegs auf dieser Konferenz in Timbuktu, danach war auch noch Semesterbeginn, so viel zu tun! Aber bis zum Wochenende kriegen Sie es, Herr Kollege!“ [Anmerkung: so was wie Semesterbeginn kommt aber auch immer überraschend! Wer kann das denn ahnen! Fast wie Weihnachten, das überfällt einen ja auch jedes Jahr so hinterrücks…]

Na ja – heute morgen bekamen wir dann von ihm die offizielle Anleitung über 29 Seiten, wie denn der Antrag auszufüllen sei, außerdem seine Projektantragsskizze, in die wir ja „nur ein paar Sachen ergänzen“ müssen.

Leider fanden wir, dass es damit nicht getan sei (hm, so sehen die studentischen Arbeiten aus, wenn sie die kurz vor der Abgabe schnell zusammenschustern. War das die Sonntag-Nachmittag-Arbeit?). Viele Worthülsen, Sätze, die über eine halbe Seite gehen (versucht das mal vorzulesen, ohne dabei Luft zu holen! Das grenzt an Mord!), und nach zwei Seiten war meine Bingo-Karte voll.

Und weil es dann mit den Änderungen ins Detail ging, wollten wir ihn kontaktieren, wie wir weitermachen wollen – aus unserer Sicht wäre ein „alles neu, macht der … November“ einfacher gewesen.

Sekretöse: „Prof. Kommtnichtindiepötte ist erst morgen wieder im Büro…“

Und war auch sonst nicht zu erreichen. Also wieder hinsetzen und zusammenstellen, was  unserer Meinung in den Antrag gehört, was nicht, sowie Inhalte präzisieren. Denn die Inhalte, so wie sie im Antrag standen, hätten für zwei solche Projekte gereicht. Locker. Also einkürzen und straffen – und zwar auf den Fokus der Ausschreibung…

Zwischendrin hatten mal Chef, dann ich Lehrveranstaltung. Das heißt, wir sprechen über einen Tag Arbeit an einer Textruine, die jetzt eine kommentierte Ruine ist.

Inzwischen (gegen 20 Uhr) SMS vom Chef: morgen um 10 nach Chefs Vorlesung Skype-Sitzung mit allen Partnern.

Denn: Die 10 Antrag Seiten sollen ja morgen fertig werden. Inklusive dem, was der Industriepartner noch ergänzen muss.

Warum die Eile? Nuuuun, dieser Drittmittelantrag muss spätestens am 7.11.(!) per Snailmail beim Ausschreibenden sein – per Post wegen der Original-Unterschriften. Aller drei Projektbeteiligter.

Ich seh schon am Mittwoch einen Kurierdienst von Uni 1 zu Uni 2 zu Industriepartner wetzen, sich alle Unterschriften abholen – und hinterher durch die Republik jagen, um den Antrag persönlich abzugeben, weil es per Post nicht mehr klappen würde.

Suuuuuper. Ich arbeite zwar auch oft Just-in-Time, aber das? Einmal nur mit Profis … Wait … Shit.

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6 Gedanken zu „Einmal nur mit Profis arbeiten …

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