Prüfung mal anders


Gerade ist mir eine Prüfung meiner eigenen Studienzeit eingefallen. Ist längst verjährt. Aber nicht vergessen.

Aber fange ich am Anfang an.

Es gab ein (ok, eigentlich mehrere…) Angstfach im Grundstudium, das über zwei Semester ging. Und weil wir so viele Studis waren, wurde an uns das erste Mal ein maschinenlesbares Multiple-Choice-System getestet. Das Angstfach hatte so 60 – 70% Durchfallquote. Eine eins – fast undenkbar. Aber dank Multiple-Choice wurde es noch unwägbarer.

Der Tag der Prüfung kam. Viele meldeten sich noch kurzfristig ab. Wir saßen drin, markierten, radierten, überarbeiteten, markierten wieder… Am Ende gingen wir zu dritt raus, der Meinung alle bestanden zu haben… nicht gut, aber bestanden.

Als die Noten kamen, hatten zwei von uns bestanden (schlechter als erwartet, nämlich mit 4…), die Dritte war durchgefallen.

Also im nächsten Semester neue Chance für sie.

Während des Semesters erkrankte der Prof schwer und die Vorlesung wurde daher nicht angeboten. Aber die Wiederholung hätte die Durchgefallene wohl eh nicht besucht, also egal.

Die Prüfung (die unser Prof vom Krankenbett aus erstellt hatte) wurde dann von einem Prof eines anderen Fachbereichs, der für eine andere Studienrichtung eine ähnliche Vorlesung gab, gehalten.

Als die Noten veröffentlich wurden – WTF? Kaum einer durchgefallen? Die Dritte in unserem Bunde hatte mit EINS (1!) bestanden? Und die anderen Aufschieber … keiner schlechter als 3?

Nach längerer Bestechung mit Bier und Alkohol kam raus:

Der Prof sah die Prüfung – und meinte, die wäre ganz schön happig für’s Grundstudium. Selbst als Wiederholungsprüfung. Schickte seine Zweitaufsicht (einen seiner Mitarbeiter) zum Kopieren seiner eigenen Prüfung und vergrub sich hinter seiner FAZ. Um die 90min lang.

Nicht, dass es damit genug gewesen wäre.

Wohl so zehn Minuten vor dem Ende sei er wohl aufgesprungen – murmelte was von „oh! habe ich fast vergessen, ich muss mal kurz ins Prüfungsamt!“ – und verschwand.

Die Prüflinge müssen wohl erst getiltet da gesessen haben (Versteckte Kamera? Studie der Psychologen? Falle?). Bis sich nach einigen Minuten der erste rührte. Tja, dann ging es wohl rund.

Bis es laut und vernehmlich klopfte.

Und danach der Prof zurückkam. Und alle brav an ihrem Platz sitzend vorfand. Er soll dann mit „Ich gehe davon aus, Sie sind alle fertig?“ die Prüfungen eingesammelt haben.

Nicht dass ich anderen gute Noten missgönne … aber wir haben alle eine 4 im Vordiplom stehen, das durchaus auch angesprochen wurde, suchte man einen Job. Und die anderen… nun … nicht.

Na ja. Verjährt. Aber irgendwo wurmt es mich immer noch. Auch nach so vielen Jahren noch… 😉

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10 Gedanken zu „Prüfung mal anders

    • Ernsthaft… War mein Erststudium. Und ja. Muss wohl wirklich so gewesen sein – das haben einige unabhängig voneinander bestätigt. Die Noten sprechen ja auch dafür.
      Ich weiß, hätte man anfechten können. Hat damals aber niemand gemacht.

        • Auch. Außerdem konnten die ja nichts dafür… Und mit 19 im zweiten Semester hätte ich auch gar nicht gewusst,welchen weg ich da gehen müsste… Und war einfach nur … Perplex.

        • Zumindest nicht, wenn man noch jung und unerfahren ist – und wie du richtig schreibst – man wollte den. Kommilitonen, mit denen man es noch einige Semester aushalten musste, ja auch nicht vors Schienbein treten…

  1. Auch wenn ich damit hier wohl allein stehen werde: Ja – und? Das ganze klingt doch nach moralischer Empörung.

    Das Prüfungen bestenfalls „in sich“, also relativ objektiv sind, aber schon zwischen verschieden Professoren und erst recht nicht zwischen verscheiden Universitäten vergleichbar sind ist doch eine wahrscheinlich 100 Jahre alte Erkenntnis.

    Und das ein anderer Professor mit den Methoden eines Kollegen nicht einverstanden ist, ist auch nichts Neues. Und ich schreibe bewusst „Methoden“ denn eine Durchfallquote von 60-70% (und keine 1 möglich) erinnert eher an brutales aussieben als an ein faire Wissensabfrage. Zumal sich dann dieser Prüfer auch mal fragen könnte, was an seiner Didaktik so grottenschlecht ist, das so viele Studenten durchfallen. Und in den USA wäre er das längst von der Universitätsverwaltung gefragt worden.

    • Damals haben wir uns natürlich geärgert, ist doch klar, oder?
      Aber: der Prof ist auch schon lang gestorben, der diese Aussieb-Prüfungen schrieb, der Vertretungsprüfer wohl schon lang emeritiert, und wir versuchen es heute besser zu machen…

      Und ja, im Grundstudium ging es damals wie heute noch ums Aussieben. Wir fingen mit rd. 300 an, das Diplom kriegten rund 30 bis 40. Ob das so gerecht und gerechtfertigt ist … Darüber kann man trefflich streiten.

      • Aus: Einer flog über das Kuckucksnest – 1975 – Mit Jack Nicholson

        —————————————————————————————–
        „Hotel!“
        „Der hat da kein Hotel, er schummelt!“
        „Hotel!“
        „SPIEL DEIN SPIEL!“
        „Hotel!“
        „SPIEL DEIN SPIEL!“
        —————————————————————————————–

        Nichts für ungut!

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