Auf einem anderen Planeten

Ende letzten Jahres war ich mal wieder auf einer Konferenz, diesmal in Istanbul – schon mal vorweg – es war toll! Die Stadt ist toll, aber laut. Das heißt, auf Dauer dort leben – no way. Als Städtereise oder Dienstreise … jederzeit gerne wieder.

Aber es gab auch viele seltsame oder skurrile Momente – zumindest für einen Mitteleuropäer, der … hm … auch diesen Lebensstil so nicht kennt.

Die Ankunft

Ich kam über den Flughafen auf der asiatischen Seite – Sabiha Gökçen http://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Istanbul-Sabiha_G%C3%B6k%C3%A7en – überschaubar, nett, kurze Wege, freundliches Personal, aber der Umgang mit Fundsachen ist … hm … seltsam 😀

fundstuecke

Dafür klappte die Fahrt in die Stadt wunderbar.

Die Konferenz

Zeit ist relativ

Ok, Zeitpläne sind für Weicheier. Oder Mitteleuropäer. Trotz großzügiger Planung mit vielen Pausen und langen Diskussionsphasen waren wir innerhalb kürzester Zeit absolut hinter dem Zeitplan… Lag auch daran, dass die Session-Chairs in der Regel die Redezeit nicht strikt begrenzten, und damit beinahe jeder länger sprach als geplant. Und ich spreche nicht von ein oder zwei Minuten.

Eine Stunde zu spät zum Mittagessen … ganz normal. Allerdings scheint uns das Restaurant auch gar nicht früher erwartet zu haben.

Eine Stunde war für jedes Mittagessen eingeplant. Aber hey, das Essen war lecker, die Gespräche sehr gut … und der Weg über den Campus durch die Spätsommersonne weit. Macht ja nichts, dass wir am Ende immer fast zwei Stunden Mittagspause hatten…

Na ja, da war mir dann schnell klar, warum es nach jeder Session eine halbe Stunde für eine ausführliche Diskussion gab – laut Plan. Tatsächlich war es aber … hm … Einholen der verpassten Zeit. Na gut, dann sind wir abends nur eine halbe Stunde zu spät fertig.

Istanbul Universität – eine Welt für sich

Warum?

Nun, für einen Deutschen ist es schon mal sehr seltsam, wenn an den Eingängen zu den wunderschönen Gebäuden in Beyacit bewaffnetes Wachpersonal steht, das auch alle Besucher kontrolliert. Die einzigen, die ohne Kontrolle rein dürfen – sind die allgegenwärtigen Katzen… In den Pausen sitzen überall Studierende, die mit den Tieren schmusen, sie auf dem Schoß haben, sie füttern… und die Viecher genießen es sichtlich… auch natürlich, da an vielen Stellen riesige Messingschüsseln mit Trockenfutter stehen.

uniistanbul

Zur Freude aller (ok, fast aller) schlich sich eine sogar während eines Vortrags in den Konferenzraum – die Konzentration war erst einmal weg, als die sich mitten im Raum begann zu putzen … die Heiterkeit siegte 😀

Conference Bingo

Was das ist?

Nun, nicht nur bei der Zeitgestaltung sind die Türken eher relaxed – auch Programme und Eintragungen der Präsentationen sind nur vage Vorschläge – sei es, weil ein Vortragender ausfiel, der Redner noch am Flughafen festhing oder einer des letzten Tages schon früher wieder weg musste.

Wie das Spiel nun geht? Na ja, sobald alle Vorträge einer Session gehalten sind, schreit man in der Fragerunde „Bingo!“

Tja, eine Session vom ersten Tag war dann erst am dritten Tag komplett, kaum eine ging ohne Verschiebung ab… so hatten wir drei Tage Spiel, Spaß und Spannung… auch ohne Kinderüberraschung…

Ach ja… BINGO!

Professional Presentation Techniques

Auf Konferenzen treffen sich Profis aus aller Welt, halten spannende Vorträge und diskutieren darüber, richtig?

Falsch.

  • Von manchen Folienmastern bekommt man Augenkrebs. Was immer die Kollegen beim Entwerfen da genommen haben – lasst es. Es bekommt euch nicht.
  • Pinke Comic Sans Schrift auf grünem Hintergrund. Jede Zeile andere Schriftgröße, – Farbe oder – Art.
  • Tabellen, die so klein geschrieben sind, dass die Schrift am Beamer nicht höher als 10pt ist. Auf der 3m Leinwand. Oder noch besser – farbige Tabellenhintergründe mit Schrift in ähnlicher Farbe. „… as you can see in this table…“ NO! I CANNOT!
  • Das seltsamste war eindeutig der „Vortragende“, der Absatz für Absatz – sein Paper vorlas. Na gut, keine schlechten Folien zu bestaunen – aber ein Redner, der angestrengt auf das vor ihm liegende Blatt starrt, sich (Lesebrille zu schwach?) dazu auch noch mit den Ellenbogen auf dem normalen Tisch (kein Rednerpult) abstützt … das ist schon … sehenswert… 😀 Trug auch erheblich zur Erheiterung bei…

Summary

Egal. Schön war es, spannend, ich bekam auch für meine Arbeit neue Impulse, hat sich also gelohnt.

Am Ende war dann noch etwas Zeit für Sightseeing … einmal als Touri durch die Stadt – gerade mit den echt toll ausgebauten öffentlichen Verkehrsmitteln ja alles kein Problem …

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Ansonsten ist der Verkehr so, wie man es sich erwartet – scheinbar geht alles durcheinander, tatsächlich achtet dann doch jeder darauf, welchen Blödsinn der andere verbricht, so dass erstaunlich wenig passiert – und sollte doch mal wieder der Bus durch die engen Gassen entgegen der Einbahnstraße stehen oder die Straßenbahn auf der Kreuzung nach dem Einfahren von Fahrzeugen aus allen Richtungen dann endlich den ultimativen Deadlock verursachen – nun, dann ist meist die Polizei nicht weit und löst ihn erstaunlich fix auf… 🙂

Wobei … ja … das mit der Beschilderung … ich glaube, das ist etwas … hm … gewöhnungsbedürftig… (und nein, es gab KEIN geradeaus… 😀 )

DSC_2904Jetzt muss mir nur noch die Uni die Reisekosten erstatten, dann ist alles gut.

Impressionen zum Schluss…

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If it fits, I sits… Ja, Cat Content!

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