Nochmal Excel … und es wird nicht besser …

Ja, es geht noch schlimmer als das, was ich damals im Seminar erlebte. Ungefähr zu jener Zeit arbeitete ich in einem Industriebetrieb im Bereich Controlling in der Datenauswertung. Ich brauchte das Geld, ihr wisst schon.

OK. Daten. Statistiken. Erstellen. Ich.

Der Betrieb war fortschrittlich – denn als ich ziemlich am Anfang nach diversen Zahlen fragte, wurden mir stolz Ausdrucke von Excel-Listen mit hunderten von Datensätzen präsentiert.

Hut ab, diese Sachbearbeiter haben’s drauf! Sah richtig professionell aus! (Ja, ja, ich war jung, dumm und naiv…)

„Da war ich aber auch Tage drüber! Excel ist so aufwendig! Mein Tischrechner ist mir lieber! Und mit Word sieht es viel toller aus. Aber wenn Sie es so wollen…“

Mein erster Fehler. Diese Aussagen hätten die Alarmglocken zum ersten zaghaften Bimmeln bringen müssen. Aber nee. Bin ja virtuell blond und blauäugig.

„Super, kann ich die Datei dazu haben?“

Klar doch, innerhalb weniger Stunden hatte ich sie (Dass das Speichern auf dem allgemeinen Netzlaufwerk so lange dauerte, hätte mich schon wieder warnen sollen…).

Frohgemut machte ich die erste Datei auf. Fügte an der gewünschten Stelle die  entsprechende Formel zum Auswerten ein.
Nanu? Ergebnis 0? Formel und Bezüge sind richtig? Ja. Hm. Ich grübelte.

Nein – nicht schon wieder Zahlen als Text! Nachgeprüft – nö. Denn so einfach machten es mir meine werten Kollegen doch nicht. Soll sich die Neue doch etwas anstrengen…

Nach einigem Klicken fand ich es heraus:

Man schreibe in die Spalte A erst den beschreibenden Text und mache dann so viele Leerzeichen, dass der zugehörige Betrag scheinbar rechtsbündig in Spalte D steht…
Und das bei fast 1000 Datensätzen!!

Jetzt weiß ich, warum die Sachbearbeiter so lange dazu brauchten und Excel so kompliziert fanden…

Ach ja: Auf meine Rüge, dass ich so nicht arbeiten könne, schloss ich mich ob der erhaltenen Antwort mit einer Packung Rachengold im schalldichten Keller ein:
„Wieso? Ihr Vorgänger hat uns das so gezeigt! Und der war Excel-Spezialist. Kennen Sie sich überhaupt damit aus?“

KOPF –> TISCH

Flashback … Excel for Runaways…

Keine Ahnung, warum mir das mal wieder einfiel…
Aber ich muss heute noch drüber lachen. Wahlweise auch rhythmisch mit dem Kopf auf den Tisch schlagen. Je nach Laune.

Also.

Vor einigen Jahren gab ich einen Excel-Kurs für Fortgeschrittene, in dem es um die Verwendung von Verweisen, Funktionen rund um Texte oder auch statistische Funktionen ging. Ja, ich war jung und brauchte das Geld.

Irgendwann war mal wieder ein Wochenendkurs. Ausgebucht, viele erwartungsvolle Gesichter hinter’m Rechner.

Erster Schritt nach der eigenen Vorstellung: „Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mich würde interessieren, warum sie hier sind … genauer … was können Sie, was wollen Sie lernen und warum.“

Ja, einer nach dem anderen erzählte etwas, bis eine Dame – nennen wir sie … hm … Annabell – dran kam:

Sie wäre da, weil sie diejenige im Büro sei, die sich am besten mit Excel auskenne … und sie solle danach die anderen anleiten, damit sie das auch lernten.
Wow … endlich mal jemand im Fortgeschrittenenkurs, der nicht mit der Eingabe einer Summenformel überfordert ist… Toll!

Danach begann die Arbeit … zum Warmwerden und Gegencheck der Kenntnisse erst mal eine recht einfache Aufgabe mit „normalen“ Formeln – also Dreisatzformeln uns so ein Zeug.

Annabell zückte den Taschenrechner. Hm… ja, kenn ich… manche vertrauen ihren Formeln nicht, was solls… soll sie nachrechnen, wenn sie Excel nicht glaubt.

„Sie, Frau Aussichteinsicht, ich komme mit den Formeln nicht klar, könnten Sie das nochmal erklären…?“ nach ein paar Minuten ein Teilnehmer. Die anderen nicken spürbar erleichtert, dass endlich sich jemand traute zu fragen.

Nur Annabell zeigt stolz ihre Ergebnisse. Scheint wohl wirklich ein bißchen Ahnung zu haben. Passt!

Egal… Ich zeige am Beamer wie die Formeln aufgebaut sind … als plötzlich Annabell herausplatzt:

„WIE? Excel kann auch rechnen???“
Huch … will sie mir damit sagen, dass das alles Peanuts sind, was wir da machen … oder meint sie es ernst?
„Ähm … ja?! Warum fragen Sie…?“

„Oh, wir nehmen Excel immer nur für unsere Adressdatensätze … und tragen Zahlen und so immer direkt ein … aber dass das auch selbst rechnen kann… wow… Da werden am Montag die Kollegen im Büro aber staunen!“

Kopf –> Tisch

*wein*

Bombiger Flug

Nein, nicht mir passiert, sondern einer Kollegin, die es nur begrenzt „amused“ erzählte.

Jene Kollegin wollte zu einer Konferenz fliegen. Und was hat man so im Handgepäck? Richtig. Laptop, Tablet und das Zubehör. Auch jene Kollegin packte alles dies frohgemut in ihren Rucksack, schnappte sich ihren Koffer – und ab zum Flughafen.

Koffer abgeben, auf zur Sicherheitskontrolle. Rucksack in die Wanne, Laptop daneben, Jacke drauf … Die Wanne fährt in den Scanner – und das Chaos bricht los. Security kommt, dem Rucksack durfte keiner mehr nahe kommen… Sie wurde mit bösem Blick und großem Aufstand (schon mal von bewaffneter Security umringt gewesen?) heran geholt.

Was sie denn da drin habe… Was das für eine Bombe sei… Nein, um Gottes willen, sie dürfe nicht näher an den Rucksack kommen!

Und – tatsächlich sah man auf dem Scannerbild einen viereckigen Gegenstand mit Drähten dran, einige der Drähte gingen in ein kleineres Kästchen.

Kenne ich etwa Terroristen und Bombenleger? Oh mein Gott!

Tja, nicht so.

Ihr Grinsen kam wohl nicht so gut – und erst nach mehreren Versuchen konnte sie erklären und dann auch zeigen, was das war:

Im Gegensatz zu mir Chaotin ist sie sehr ordentlich und hat für ihre Maus, die Kabel und Adapter eine Mappe, in der alles ordentlich aufgeräumt und fixiert wird. Tja, und übereifrige Kontrolleure machen dann auch mal eine Bombe daraus…

Nett daran ist aber, dass sie das schon seit Jahren ohne Probleme auf Flugreisen dabei hat… Und gut, dass das noch in Deutschland passierte – ich wüsste so einige Länder, wo die Kontrolleure eventuell noch mehr hyperventilieren…