Zitat …

Als wir uns (auch noch zu eigenen Studienzeiten) über einen Prof beschwerten, der gelinde gesagt suboptimale Lehrmethoden hatte, bekamen wir von unserem Studiendekan unter schwerem Seufzen zu hören:

„Ja wissen Sie, der Herr Gruselig ist wie eine Naturkonstante, auch wenn man will, darf und kann man sie nicht so einfach wegkürzen…“

Ok, wir mussten weiter mit jenem Prof leben … aber die Aussage war doch schon mal was… 😀

Fillosoffisches – Heimat

Ich war zu Ostern bei meiner Familie und zuvor bei einer Freundin. Und habe mir von beiden erst einmal einen Rüffel eingefangen, weil ich irgendwann mal sagte „… und dann fahre ich heim …“ bzw. “ … bei mir zu Hause …“ Meine Heimat sei doch eigentlich dort, wo ich geboren sei und wo meine Familie heute noch wohne. Zumindest in dieser Region sei ich doch verwurzelt. Stimmt irgendwie. Irgendwie aber auch nicht. Nicht mehr?

Zur Erklärung – ich bin mit 18 Jahren aus meinem Elternhaus ausgezogen um zu studieren – ca. 120 km entfernt. Danach wohnte ich immer rund 100 bis 150 km entfernt von der Familie – nah genug, um an einem Sonntag eine Stippvisite zu machen, und fern genug, um nicht Erwartungen an tägliche Kurzbesuche zu schüren. Mit der Stelle an der Uni bin ich ans andere Ende der Republik gezogen – es trennen uns nun rund 500 km. Dieser Umzug war ein neues Abenteuer. Das ich begeistert angenommen habe.

Aber in letzter Zeit muss ich sagen, dieser Gedanken an „Heimat“ und „zu Hause“ beschäftigt mich.

Ich war am Wochenende auf der Durchreise noch in der Stadt, in und um die ich 10 Jahre (vor meinem aktuellen Abenteuer) lebte – und sie war mir das erste Mal fremd. Die Menschen, die Umgebung. Das erste Mal, dass ich ein „Touristengefühl“ hatte. Selbst im alten Stammcafé kannte ich gerade noch den Chef. Seltsam. Dabei bin ich noch gar nicht so lange weg. Auch die Leute kamen mir fremd vor. Gruslig.

Andererseits hatte ich bei der Rückfahrt zu meinem aktuellen Wohnort tatsächlich das „Heim fahren“-Gefühl. So gesehen nach einer recht kurzen Zeit.

Was ich mich in letzter Zeit vermehrt frage, wie es sich wohl anfühlt, dort zu leben und zu arbeiten, wo man aufgewachsen ist. Wo man alles kennt oder zumindest die Entwicklung beobachten konnte über viele Jahre. Wo man noch frühere Schulfreunde treffen kann. Wo alles vertraut ist. Wo Freundschaften und Familie auch mit räumlicher Nähe verbunden sind – im guten wie im schlechten.

Für mich fühlt sich sowohl meine Heimatstadt inzwischen an vielen Stellen fremd an – als auch eben jene Stadt, in der ich so lange lebte. Die aktuelle Umgebung ist noch nicht ganz vertraut, ich brauche oft noch Navi und muss nach vielen Sachen immer noch fragen (Fachgeschäft X? Facharzt Y? Handwerker Z? Wen am besten? Wo?), dennoch ist mir mein Leben hier im Moment näher als alles andere. Ist das nur eine zeitliche Sache, also eine Sache des zeitlichen Abstands? Habe ich mich so schnell weg vom anderen Ende entwickelt? Wie wäre es, jetzt wieder zurück zu gehen? (davon abgesehen, dass zumindest in meinem Geburtsort keine Arbeitsstellen für mich gäbe) Würde ich mich genauso schnell wieder eingewöhnen? Oder bliebe dieses „Fremdsein-Gefühl“?

Bin ich nur „wurzellose Vagabundin“? Oder anpassungsfähig? Oder merke ich nur nicht, dass was fehlt, weil ich es nicht kenne? Wie fühlt sich das an?

Ja, etwas wirr das Ganze – aber das dreht sich schon länger latent in meinem Kopf – zu Ostern nahmen diese Gedanken Fahrt auf. Aber so was von. Und werden mich wohl auch noch etwas beschäftigen.

 

 

Studieren „im hohen Alter“? Geht das?

Ich habe gerade in den funkelnagelneuen Blog von Themis geguckt (willkommen auch hier bei mir an der Uni, auf „der anderen Seite“, sozusagen! 😉 ), die sich gerade Sorgen macht, im „hohen Alter“ von fast dreißig nochmal zu studieren.

Erst einmal: Hey, ich kam auch erst Mitte 30 auf die Idee, nochmal ein (Uni-)studium (das mich auch zum jetzigen Job brachte) zu machen, geht also. 🙂 Gut, ich hatte schon einen FH-Abschluss, aber eine berufsbezogene Ausbildung schadet auch nie, eher im Gegenteil.

Aus Sicht einer „reiferen“ Studentin: He, das hat irre Vorteile, älter als der Durchschnitt zu sein 🙂 – man wird eher auf Augenhöhe wahrgenommen (oft genug sind die WiMi dann im eigenen Alter – wobei, ich wurde eher an den Professorentisch gebeten – die hatten öfters mal meinen Jahrgang…). He, wenn man Glück hat, wird man sogar wie ich für die neue Professorin gehalten! 😀 Und das am ersten Tag an der Uni… War … seltsam. Lustig. Irgendwie auch … ja. Seltsam 😀

Die Mitarbeiter und Profs nehmen auch wahr, dass die Älteren meist ernsthafter und zielorienter studieren und wissen das zu schätzen. Also, ich hatte eher Vorteile dadurch. Ok, und bei den vielen Studis bleibt man auch eher im Gedächtnis der Profs, man fällt ja ein bißchen auf. Btw. – ich war bei weitem nicht die Älteste!

Aus Sicht der Mitarbeiter: Ähnlich. Wir haben gerade Studis, die sind älter als ich. Und älter als mein Chef. Die haben auch schon massig Berufserfahrung in dem, was sie vorher machten. Und natürlich Lebenserfahrung.

Klar, dass man denen keinen Blödsinn erzählen kann – meist hinterfragen die das Ganze. Nicht immer liegen sie richtig, nicht immer sind sie einsichtig – aber meist fordern die Diskussionen mit diesen Leuten alle Beteiligten. Und ich finde das toll (zumindest wenn es konstruktiv vonstatten geht, was es meist tut…)! Auch studieren diese Leute meist zielgerichteter – auch weil ja nicht mehr Papi mit den mehr oder minder dicken Geldscheinen wedelt, sondern oft genug auch noch eine Familie zu versorgen ist und und und…

Aus meiner Sicht – ja, es ist anstrengend, nochmal die Unibank zu drücken. Ja, es gibt gerade in der Prüfungszeit Phasen, wo man keine Lust mehr hat und sich fragt, ob es das wirklich alles bringt.

Dennoch – ich empfand es als eine win-win-Situation. Und ich muss sagen, ich bereue keine Sekunde, dass ich das nochmal durchgezogen habe…