Die Last mit dem Lift


Hochhäuser haben Aufzüge – aus gutem Grunde. Schon einmal bis in den 10. Stock gelaufen? Ja? Dann wisst ihr ja, was ich meine. Hin und wieder geht so ein Aufzug auch mal kaputt. Deshalb hat man gerade in stark frequentierten Gebäuden auch mehrere davon.

Ich bin es ja gewohnt, den durchdringenden Alarmruf des Aufzugs durch’s ganze Haus zu hören. Oder bleiche Gestalten aussteigen zu sehen, die gerade mit Erdbeschleunigung die Distanz mehrerer Stockwerke hinter sich gebracht haben, um dann in der falschen Etage durch sich spontan öffnende Türen in die Freiheit entlassen zu werden. Alternativ standen sie auch längere Zeit auf halbem Stockwerk – dann aber in einem vollen Aufzug, wo es schon kuschelig werden kann. Nett sind auch Stufen, die sich spontan beim Einsteigen ergeben. Nein, so schwer bin ich auch wieder nicht, dass mit mir allein der 10-Personen-Aufzug überlastet ist und daher 20 cm durchsackt. Was man auch unbedingt einmal ausprobieren sollte ist eine Fahrt in völliger Dunkelheit – besonders toll in Gesellschaft unbekannter Personen. Alles schon mit diesen Aufzügen erlebt.

Und nein, immer zu laufen ist keine Option. Allerdings haben wir das jetzt eine Woche hinter uns. Warum? Na, das neueste Gimmick sind voll funktionsfähige Aufzüge, die aber deaktiviert sind. Das Alarmsystem hat den Geist aufgegeben. Keine schrillen Glocken mehr, keine Gespräche per Bakelit-Telefon mit einer ominösen Leitstelle mehr.

Daher (man erinnere sich an Freifall- und Steckenbleibübungen?) dürfen alle Aufzüge nicht mehr benutzt werden. Also ist Treppensteigen angesagt. Mit dem Schmankerl, dass sich im obersten Stockwerk ein großer Hörsaal befindet. Fies, oder? So bleiben die Studis fit! Und die Professoren jeglichen Geschlechts auch gleich mit. Das aktuelle Stockwerk, auf dem man sich befindet, kann man daher auch problemlos an der Gesichtsfarbe der Treppensteiger ablesen.

Manche gesunde Gesichtsfarbe rührt allerdings nicht nur vom Treppensteigen. Gerüchteweise sollen auch schon gutgelaunte Profs beim Treppablaufen die Studierenden „motiviert“ haben mit „fast haben Sie Ihre erste Studienhürde geschafft“ und „hiermit trennen wir den Spreu vom Weizen der Studierenden“. Der Lynchjustiz ist jener nur entkommen, da die Studis nach acht Stockwerken eindeutig zu erschöpft waren und außerdem ihre Steighöhe nicht wieder aufs Spiel setzen wollten. Gut so. Sonst bräuchte ich einen neuen Chef. 😀

Wie gefährlich unsere Uni zu sein scheint, sieht man seit gestern: Im einzigen Aufzug, der wieder funktioniert, fährt seit jetzt eine Security mit. So wie der da drin steht, warte ich nur noch auf „Du kommst hier nicht rein! Du läufst!“ Warum der mitfährt? Ist doch logisch – das Alarmsystem geht immer noch nicht, und ohne funktionierendes System darf man die Leute nicht fahren lassen. Also gibt es jetzt von 8 bis 20 Uhr einen Aufzug, in dem eine Security als Humanalarm sitzt, außerhalb dieser Zeiten ist Laufen angesagt.

Gerüchteweise haben sich die Mitarbeiter der oberen Stockwerke die Pausenzeiten der Security besorgt und verkaufen diese Information meistbietend an die Studierenden.

Wobei ich ja immer noch der Meinung bin, dass das System nur deshalb noch nicht geht, weil kein Technikmuseum eines seiner Bakelittelefone als Ersatzgerät herausrückt.

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3 Gedanken zu „Die Last mit dem Lift

  1. Unsere Fahrstühle sind vor zwei Jahren umgebaut worden. Seitdem haben wir hypermoderne Aufzüge, aber im Gegensatz zu vorher keinen Etagenplan mehr. Für Außenstehende ist es also unmöglich rauszufinden, was sich in den einzelnen Etagen befindet. Und da ich trotz meinen langen Jahren an der Uni immer wieder vergesse, ob ich zum Germanistikbüro nun in den 6. oder doch in den 2. Stock muss, ist das immer ne lustige Fahrt! Vor allem, wenn ich dann am Ende merke, dass ich im falschen Gebäude bin…

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