Ich will auf Konferenz! Teil 1: Paper einreichen


Ein Vor- (oder Nach-?)teil der Arbeit an der Uni sind Reisen zu Konferenzen.

Ok, vor die Reise hat der Gott der Wissenschaftler einige Hürden gestellt.

1. Hürde: Reiche dein Paper bei der Konferenz ein.
Jede Konferenz hat da – neben der inhaltlichen Seite – ihre eigenen Tücken. Seltsame LaTex-Style-Vorgaben, unausgegorene oder wirre Konferenzverwaltungssysteme zum Einreichen und nicht zuletzt danach die nervenzehrende Wartezeit, ob man angenommen wurde.

Und selbst wenn man angenommen wurde – das, was in den Reviews mancher Gutachter steht, reizt selbst die gutmütigste Person zu Mordgelüsten:

Die Formulierungen „leider“, „aber“ transportieren unwissenschaftliche Wertungen. … es drängt sich der Eindruck auf, dass der Autor/die Autoren mit einer gewisssen Larmoyanz in die Welt schauen …

Man könnte auch sagen, ich bin ein Jammerlappen. OK. Akzeptiert.

Mir aber zu viel Wissenschaftlichkeit in einem wissenschaftlichen Paper vorzuwerfen, finde ich schon… nett:

In der vorliegenden Form kommt der Artikel aber zu sehr wissenschaftlich daher…

Äh ja… Herzilein, du reviewst gerade ein Paper einer *wissenschaftlichen* Konferenz. Sollten da Paper nicht wissenschaftlich sein? Ähm… dämmert’s?

So stellt sich die Frage, wie aus 40 Fragebogen 180 Aussagen wurden.

Ach ja – für qualitative Inhaltsanalyse ist Mayring sehr zu empfehlen. Mal reinlesen, Gutachterlein. Dann weißt du auch, wie das bei offenen Fragen passieren kann.

Außerdem schlage ich vor, nicht immer N und n zu verwenden. Da n nach der ersten Verwendung missverständlich ist, sollte man auf andere Zeichen ausweichen, die sich deutlich unterscheiden…

Und wenn ich in verschiedenem Kontext die Grundgesamtheit N verwende und die Teimenge als n bezeichne, ist das Quasistandard. Soll ich vielleicht r oder p verwenden?

OMG, der nächste ist auch nicht besser:

Auf die  statistischen Details könnte … verzichtet werden. Einige Abkürzungen wie M, SD, r, T und p werden zwar benannt, aber nicht detailliert erklärt.

Stimmt, da Mittelwert, Standardabweichung, Korrelation und zumindest Wahrscheinlichkeit doch in jedem Fall bekannt sein dürften – nicht nur dem Namen nach, oder? Hallo? Forschungskonferenz? Und auch einen T-Test zur Signifikanz von Unterschieden der Ergebnisse von zwei Stichproben solltest du kennen, außerdem habe ich ihn erklärt und begründet, warum ich ihn einsetzen durfte. Lieber Gutachter, brauchst du Literatur zu den Grundlagen der Statistik und der quantitativen Forschung?

Manchmal finde ich den Job soooo lästig… *wein*

 

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3 Gedanken zu „Ich will auf Konferenz! Teil 1: Paper einreichen

    • Das ist ein best-of von insgesamt 3 Konferenzen, wobei ein Teil der Reviews auch Englisch waren.
      Es gab schon noch mehr solcher Hämmer, aber die gingen ins fachliche Detail – und stammen auch größtenteils aus vom-Himmel-gefallenen Reviews…

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