Studenten-Typ: Studentis Eternitatis


Ich wollte ja mehr über die verschiedenen Typologien von Studenten – pardon – Studierenden erzählen. Bisher hatten wir ja eigentlich nur Mäuschen und die Sonderkategorie.

Eine der im Aussterben begriffenen Spezies ist – Bologna, Bachelor und Modularisierung sei Dank – der Dauerstudent. Und den gibt es in verschiedenen Phänotypen, nämlich die, die wider Erwarten doch innerhalb ihres – wie soll man sagen –gründlichen *hust* Studiums einen Abschluss ohne weitere Auffälligkeiten kriegen, und auch die, die ihn zwar kriegen, dabei aber die halbe Uni in den Wahnsinn treiben. Und nein, Brille fällt unter eine eigene Kategorie. Und die, die nie zum Abschluss kommen, na ja, diese Dauerkandidaten tauchen eh irgendwann auf Nimmerwiedersehen ab.

Ich werde nie einen der Studenten der ersten Kategorie vergessen, der passenderweise Maximilian „Max“ Lange hieß. Da war Name schon Programm. Ich lernte Max kennen, als wir beide Studenten waren. Er im 8. Semester, ich zart im ersten. Auf mein „oh, da bist du ja bald fertig, die Regelstudienzeit ist ja 9 Semester“ meinte er, er bräuchte schon noch etwas. Und so war es auch. Zweimal stellte er Anträge auf Studienzeitverlängerung, als das nicht mehr ging, meldete er sich dann doch zur Abschlussprüfung an.

Da ich inzwischen fertig war (ja, ich bräuchte weniger als die Regelstudienzeit – aber kein Neid, mir wurden Prüfungen aus einem früheren, verwandten Studium angerechnet, was mir doch unterm Strich zwei Semester brachte), ergaben sich dann lustige Situationen.

  • Max musste noch eine Veranstaltung an meinem zwischenzeitlichen Lehrstuhl besuchen. Da ich zu der Vorlesung das begleitende Seminar betreute, setzte ich mich in die erste Vorlesung, da mich mein Chef vorstellte und ich außerdem so die Studis schon mal sah. Also Chef fängt an, stellt sich und mich vor, und beginnt mit den Inhalten.
    Eine halbe Stunde später: Die Tür geht auf – und Max schneit herein (nein, Vorlesungen früh um 8 waren nie was für ihn…). Leider ist nur noch der Platz neben mir frei. „Hi! Was machst du denn da, in dieser Grundstudiumsvorlesung – ich dachte du hättest den Schein schon, wolltest du nicht schon letztes Semester abschließen?“ „Ähm, Max, ja, habe ich – ich werde dein Begleitseminar halten…“ Stille. Schweigen. Nur ein kurzes „oha“ kam noch. Habe ich erwähnt, dass er das Begleitseminar konsequent schwänzte? 😀
  • Sein Gesicht, als ich ihm als Prüfer in einer der Abschlussprüfungen gegenüber saß, muss ich wohl nicht näher beschreiben, oder?

Allerdings muss der Neid ihm lassen, dass er tatsächlich intensiv studiert zu haben scheint, da er einen fast sehr guten Abschluss hingelegt hat. Halt Max-imal Lange.

Die zweite Kategorie ist da schon anstrengender. Kennt ihr den Begriff „Schnarchzapfen“? Ja? Gut. Denn genau das ist die optimale Beschreibung.

Hallo Herr Schnarcher, Sie haben vor einem Jahr das Thema der Abschlussarbeit bekommen, Termine mit uns haben sie bisher konsequent verpasst. Sind Sie denn überhaupt noch interessiert an der Anfertigung der Arbeit?“ Auf diese Mail kam… nix. Wochenlang. Plötzlich steht er mit der fertigen Arbeit im Büro. Na ja, er meint, sie sei fertig. Aber gut. Zum Bestehen reichte es. Knapp.

Nicht, dass das seine letzte Prüfung gewesen wäre. Nein, ihm fehlte auch noch die Prüfung der gleichen Veranstaltung, die mein Freund Max besuchte. Grundstudium, wie gesagt. Die Veranstaltung und damit die Prüfung gibt es in dieser Form schon gar nicht mehr. Offiziell letzte Chance für den Scheinerwerb gab es im Herbst letzten Jahres, also schrieb mein Chef an alle Langzeitler eine Mail: „… Bitte melden Sie sich innerhalb von 2 Wochen, wenn Sie den Schein noch brauchen, da dies die letzte Möglichkeit ist, ihn zu erwerben…“ Ein anderer Langzeitstudi meldete sich, und legte in der letztmöglichen Prüfungswoche die mündliche Prüfung erfolgreich ab.

Die Wetten, wann sich Schnarcher melden würde, habe ich haushoch gewonnen – wobei, weder Chef noch Kollegen wagten dagegen zu wetten, wohl wissend, dass sie nur verlieren konnten, denn:

Schnarcher MUSS sich wegen der Höchststudiendauer und keiner Verlängerungsmöglichkeit mehr in diesem Frühjahr für die Abschlussprüfung anmelden. Und da war Anmeldeschluss letzten Mittwoch.
Ihr ahnt, auf welchen Termin ich erfolgreich wettete, an dem er nach der Prüfung wimmern würde? Genau. Am Freitag vorher bekam meine Kollegin die Mail, dass er doch die Prüfung noch bräuchte, er würde gerne Gebiet 7 als Spezialgebiet nehmen und im Anhang sei die geforderte Ausarbeitung zum zweiten Gebiet, das er vorbereiten müsse. Ob er am Montag oder Dienstag…?

Da ich am Freitag nicht im Büro war, ebenso Chef nicht, rief Kollegin um Hilfe: Was tun, sie sei – genauso wie wir, ja Montag und Dienstag nicht da. Außerdem – was ist „Gebiet 7“? Und wie denn das Prozedere für diese Prüfung sei – in den eineinhalb Jahren, in denen sie da war, gab es keine Prüfung mehr darin (und die letzten beiden haben Chef und ich abgenommen). Ob der dritte Kollege das abnehmen könne? Nein, konnte und vor allem durfte er nicht… Gebiet 7? Hm, gibt es namentlich nicht. Meint er die Nummer des Foliensatzes? Dank Weiterentwicklung der Vorlesung gibt es aber unterschiedliche Sätze 7. Also – welchen Stand meint er?
Tja, dumm gelaufen. Noch hat sich Schnarcher auf unsere Antwortmail nicht wieder gemeldet(!), nur das Prüfungsamt bat letzte Woche per Mail um Rückruf (habe ich erwähnt, dass letzte Woche alle Prüfungsberechtigten unterwegs waren? Nein?) Hm. Keine Ahnung was die wollen … Hat er sie wohl versucht weichzuklopfen? 😀

Egal, die Abschlussprüfung wird spaßig… 🙂

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6 Gedanken zu „Studenten-Typ: Studentis Eternitatis

  1. Dass du immer so negativ sein musst. *kopfschüttel*
    Es gibt halt Leute, die gern intensiver studieren, und nicht so huschhusch fertig werden wollen wie du. Die dann was anständiges anfangen wollen mit ihrem Studium, und nicht Studenten (!) lehren (!!).

    Ach ja: *Ironietags werf*

    Was habt ihr mit dem Schnarcher denn gemacht? Is ja nich seine Schuld, wenn ihr NIE da seid. Darf der den Schein verspätet einreichen?

    • Klar, er hatte ja nur ein halbes Jahr Zeit sich zu melden *augenroll*
      und keine Ahnung, ob er es jetzt noch beim Prüfungsamt nachliefern darf – in jedem Fall hat er jetzt nächste Woche einen Termin bei der Kollegin…

      Und wie gesagt – Mäxchen machte zwar seinem Namen alle Ehre, aber wenn er sich denn entschloss, etwas zu tun, dann hat er es durchgezogen. Wenn auch die Entscheidungsfindung … etwas dauerte.

        • Fast hätte es mit dem Gebettel funktioniert. Fast. Nur hat das Prüfungsamt bei uns nachgefragt, ob alles so gelaufen sei wie er erzählte…

  2. Der arme Herr Maximal Lange.

    Etwa anderes ist natürlich, wenn man, wie ein Studienkamerade von mir, nahtlos nacheinander ein Grundstudium Mathe, ein Grundstudium Sport und ein Grundstudium Biologie macht.

    Und das Wort „wimmern“ ist mir aufgefallen. Was stellt man sich darunter vor?

    • Nein, weder Herr Lange noch Herr Schnarcher haben mehr als ein Grundstudium gleichzeitig gemacht…

      Und wegen des Wimmerns – ich kenne da eine Törtel, die kennt sich damit bestens aus – frag die doch mal!

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